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Wolfsburg - Eisenhüttenstadt: Heimat vom Reißbrett
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Wolfsburg – Eisenhüttenstadt
Heimat vom Reißbrett
Historische Einordnung
Wolfsburg und Eisenhüttenstadt entstanden unter unterschiedlichen politischen Vorzeichen. Beide Städte wurden jedoch maßgeblich durch einen großen Industriebetrieb geprägt und galten als Sinnbilder einer neuen Zeit.
Wolfsburg wurde 1938 als „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ gegründet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt die Stadt ihren heutigen Namen und entwickelte sich gemeinsam mit dem Volkswagenwerk zu einem Symbol des westdeutschen Wirtschaftswunders.
Das spätere Eisenhüttenstadt entstand ab 1950 rund um das Eisenhüttenkombinat Ost. Die zunächst als Wohnstadt zum Hüttenwerk bezeichnete Siedlung erhielt 1953 den Namen Stalinstadt und sollte zur ersten sozialistischen Planstadt der DDR werden. Seit 1961 trägt sie den Namen Eisenhüttenstadt.
Inhalt der Edition
Der Film stellt die Entwicklung beider Städte einander gegenüber. Historische Aufnahmen und persönliche Erinnerungen erzählen vom Aufbau der Werke, den ersten Barackensiedlungen und der Entstehung neuer Wohngebiete. Großzügige Straßen, offene Höfe und moderne Wohnungen sollten mit den beengten Verhältnissen der alten Industriestädte brechen.
Zeitzeugen berichten vom Alltag der fünfziger und frühen sechziger Jahre: vom Warten auf eine Wohnung, von Möbeln auf Kredit, den ersten Fernsehgeräten und dem Zusammenleben in neu entstandenen Hausgemeinschaften. In beiden Städten bestimmten die Werke nicht nur Arbeitszeiten und Einkommen, sondern auch das gesellschaftliche Leben und das Selbstverständnis der Bewohner.
Der wirtschaftliche Aufstieg brachte neue Wünsche hervor. In Wolfsburg wurde der VW Käfer zum sichtbaren Zeichen des Wohlstands, in Eisenhüttenstadt der Trabant. Während im Westen Geld und Warenangebot wuchsen, blieben im Osten Beziehungen, Wartezeiten und betriebliche Vergünstigungen häufig entscheidend. Dennoch ähnelten sich viele Hoffnungen: eine gute Wohnung, ein eigenes Auto, Reisen und ein besseres Leben für die Familie.
Auch Freizeit und öffentliche Feste spiegelten die unterschiedlichen Systeme. Wolfsburg feierte das Volkswagenwerk und den millionsten Käfer, Eisenhüttenstadt seine Hüttenfeste und politischen Jahrestage. Tanzabende, Gaststätten, Urlaubsreisen und gemeinsame Feiern gehörten hier wie dort zum Lebensgefühl einer Generation, die nach Krieg und Zerstörung etwas Neues aufbauen wollte.
Bedeutung als Zeitdokument
Die Edition zeigt zwei Städte, deren Architektur, Alltag und gesellschaftliches Leben eng mit einem einzigen Industriebetrieb verbunden waren. Dabei werden die Unterschiede zwischen sozialer Marktwirtschaft und sozialistischer Planwirtschaft nicht verwischt. Zugleich wird sichtbar, wie ähnlich viele Erfahrungen und Bedürfnisse der Menschen auf beiden Seiten Deutschlands waren.
Besonders eindrücklich sind die Erinnerungen an die Aufbaujahre und das starke Gemeinschaftsgefühl. Arbeit bedeutete nicht nur Einkommen, sondern auch Zugehörigkeit und persönlichen Stolz. Aus Orten vom Reißbrett wurde für viele Bewohner eine Heimat, mit der sie sich bis heute verbunden fühlen.
Editionsangaben
| Titel | Wolfsburg – Eisenhüttenstadt – Heimat vom Reißbrett |
| Dokumentarfilm von | Uta Kolano und Thomas Grimm |
| Produktionsjahr | 1997 |
| Laufzeit | 45 Minuten |
Hinweise zur Edition
Die Edition dokumentiert die historische Aufzeichnung in ihrer zeittypischen Form. Bild- und Tonqualität entsprechen dem erhaltenen Ausgangsmaterial.
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