Unsere Hausgemeinschaft – Leben in der Platte

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Unsere Hausgemeinschaft – Leben in der Platte

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Historische Einordnung

In der DDR entstanden rund zwei Millionen Wohnungen in industrieller Plattenbauweise. Die neuen Großsiedlungen standen für modernen Wohnkomfort, fließendes warmes Wasser, Fernheizung und die Hoffnung auf ein besseres Leben. Nach 1990 veränderten Deindustrialisierung, Arbeitslosigkeit und Abwanderung viele dieser Stadtteile grundlegend.

Gera-Lusan gehört zu den großen Plattenbausiedlungen Ostdeutschlands. Wo vor der deutschen Einheit etwa 45.000 Menschen lebten, waren es zum Zeitpunkt der Dreharbeiten nur noch rund 26.000. Leerstand, Abriss, Modernisierung und soziale Unsicherheit prägten den Alltag. Der Film beobachtet über fünf Tage hinweg Bewohnerinnen und Bewohner, die geblieben sind.

Inhalt der Edition

Die Dokumentation begleitet Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenslagen: ältere Erstbezieher, einen Straßenbahnfahrer, Hauswarte, eine junge Bewohnerin, eine Familie mit wenig Geld und Mitglieder einer rechten Jugendszene. Ihre Wohnungen, Arbeitswege, Gespräche und alltäglichen Routinen ergeben ein vielschichtiges Bild des Stadtteils.

Dabei geht es um die Erinnerung an frühere Hausgemeinschaften ebenso wie um Anonymität und sozialen Rückzug. Alte Bewohner halten an vertrauten Wohnungen fest, obwohl Treppen und fehlende Aufzüge zunehmend zum Problem werden. Jüngere Menschen sehen kaum berufliche Perspektiven und erwägen den Wegzug. Gleichzeitig versuchen Wohnungsunternehmen, einzelne Häuser zu modernisieren, während andere Blöcke abgerissen werden.

Der Film beobachtet, ohne vorschnell zu urteilen. Er zeigt Solidarität, Ordnungssinn und Nachbarschaft ebenso wie Armut, Arbeitslosigkeit, Schulden und politische Verhärtung. Das Leben in der Platte erscheint nicht als einheitliche Erfahrung, sondern als sozialer Raum, in dem sich die Umbrüche nach 1990 unmittelbar niederschlagen.

Bedeutung als Zeitdokument

Die Edition ist ein dichtes Alltagsdokument über die sozialen Folgen des ostdeutschen Strukturwandels. Sie macht sichtbar, wie große politische und wirtschaftliche Veränderungen in Wohnungen, Familien, Hausfluren und Nachbarschaften ankommen.

Besonders wertvoll ist die Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Erfahrungen: Stolz auf das eigene Zuhause, Trauer über den Verlust früherer Gemeinschaft, Hoffnung auf Modernisierung und Angst vor weiterer Abwertung. Der Film bewahrt damit einen präzisen Blick auf eine Phase, in der die Zukunft vieler ostdeutscher Großsiedlungen offen war.

Editionsangaben

Titel Unsere Hausgemeinschaft – Leben in der Platte
Ort Gera-Lusan
Produktion Zeitzeugen TV
Produktionsjahr 2006
Laufzeit 60 Minuten

Hinweise zur Edition

Die Edition dokumentiert die historische Aufzeichnung in ihrer zeittypischen Form. Bild- und Tonqualität entsprechen dem erhaltenen Ausgangsmaterial.

Zur GrimmChronik-Edition

GrimmChronik bewahrt Erinnerungen als Quellen der Zeitgeschichte. Jede Edition trägt dazu bei, historische Stimmen für kommende Generationen zugänglich zu halten.

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