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Richard von Weizsäcker - Von der Grenze zur Mitte

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€30,00
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Historische Einordnung

Am 28. September 1997 hält Richard von Weizsäcker im Rahmen der „Berliner Lektionen“ eine weit gespannte Rede über Berlin, deutsche Geschichte und die Herausforderungen des wiedervereinigten Landes.

Sieben Jahre nach der staatlichen Einheit blickt der ehemalige Bundespräsident auf eine Stadt, die im 20. Jahrhundert Diktatur, Krieg, Teilung und schließlich die Überwindung der Mauer erlebt hat. Berlin erscheint dabei nicht nur als historischer Schauplatz, sondern als Ort, an dem sich die Frage nach einer gemeinsamen deutschen und europäischen Zukunft besonders deutlich stellt.

Weizsäcker verbindet persönliche Erinnerungen an seine Berliner Kindheit mit Überlegungen zu Demokratie, gesellschaftlichem Zusammenhalt, Globalisierung und der neuen Rolle der Hauptstadt.

Inhalt

Richard von Weizsäcker beginnt mit Erinnerungen an seine Kindheit im Berlin der Weimarer Republik. Er schildert soziale Not, politische Radikalisierung und seine Erfahrungen mit jüdischen Mitschülern. Besonders eindringlich beschreibt er, wie wenig viele Menschen trotz des täglichen Zusammenlebens über jüdische Geschichte und Identität wussten und wie unzureichend das Gespür für die heraufziehende nationalsozialistische Katastrophe war.

Von dort aus zeichnet er die wechselvolle Geschichte Berlins nach: vom politischen und kulturellen Zentrum des Deutschen Reiches über die nationalsozialistische Diktatur und die Zerstörung des Zweiten Weltkrieges bis zur Rolle der Stadt im Kalten Krieg. Dabei betont er zugleich, dass Berlin keineswegs eine natürliche Hochburg des Nationalsozialismus gewesen sei. Noch bei der Reichstagswahl nach der Machtübernahme erzielten die Nationalsozialisten dort eines ihrer schlechtesten Ergebnisse.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Teilung Berlins. Weizsäcker erinnert an Blockade, Mauerbau und die jahrzehntelange Konfrontation der Systeme. Der Fall der Mauer am 9. November 1989 wird für ihn zum weltweiten Symbol der Hoffnung und des Endes des Kalten Krieges.

Zugleich warnt er davor, die deutsche Einheit allein als staatlichen oder wirtschaftlichen Vorgang zu verstehen. Nach vier Jahrzehnten unterschiedlicher Erfahrungen in Ost und West müsse die Einheit auch historisch und menschlich vollzogen werden. Berlin wird für ihn zum entscheidenden Ort dieses Lernprozesses.

Im letzten Teil richtet Weizsäcker den Blick auf grundlegende gesellschaftliche Veränderungen. Er beschreibt Wirtschaft und demokratischen Staat als Systeme mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten: Während sich die Wirtschaft global bewegt und sich an Märkten und Kunden orientiert, ist der demokratische Staat auf Mehrheiten angewiesen und zugleich für alle verantwortlich – besonders für die Schwachen.

Auch die Zukunft der Arbeit beschäftigt ihn. Wachstum und Beschäftigung begännen sich voneinander zu lösen, während Kapital und Wissen für die Wertschöpfung zunehmend wichtiger würden. Daraus entstehe eine Herausforderung für soziale Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt, die nicht allein von staatlichen Institutionen bewältigt werden könne.

Bedeutung

„Von der Grenze zur Mitte“ ist zugleich historische Rückschau und politische Standortbestimmung.

Richard von Weizsäcker betrachtet Berlin als einen Ort, an dem sich zentrale Erfahrungen des deutschen 20. Jahrhunderts bündeln: Demokratie und Diktatur, Krieg und Zerstörung, Teilung und Wiedervereinigung.

Bemerkenswert aktuell wirken seine Überlegungen zum Verhältnis von globaler Wirtschaft und demokratischem Staat, zum Wandel der Erwerbsarbeit und zur Verantwortung einer Gesellschaft für diejenigen, die mit wirtschaftlichen Veränderungen nicht Schritt halten können.

Am Ende steht Berlin für Weizsäcker als möglicher Ort des Lernens: Eine moderne Gesellschaft müsse kulturelle, soziale und historische Unterschiede aushalten können, ohne sich in voneinander abgeschottete Gruppen aufzuspalten. Wenn Menschen lernten, zusammenzuleben, ohne Angst davor zu haben, verschieden zu sein, könne von Berlin erneut eine besondere Wirkung ausgehen.

Editionsangaben

Reihe: Berliner Lektionen
Titel: Richard von Weizsäcker – Von der Grenze zur Mitte
Jahr: 1997
Laufzeit: 47 Minuten
Produziert von: Zeitzeugen TV
Format: DVD-R (On-Demand)

Hinweise zur Edition

Diese Edition enthält eine historische Aufzeichnung in ihrer überlieferten Form. Bild- und Tonqualität entsprechen dem Ausgangsmaterial. Inhaltliche und sprachliche Eigenheiten der Entstehungszeit wurden bewahrt.

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