Honeckers Enkel Roberto – Eine Rückkehr nach Deutschland

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Honeckers Enkel Roberto – Eine Rückkehr nach Deutschland

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Historische Einordnung

Der Zusammenbruch der DDR veränderte nicht nur die politische Ordnung, sondern auch das Leben der Familien an ihrer Spitze. Roberto Yáñez, Enkel von Erich und Margot Honecker, war fünfzehn Jahre alt, als sein Großvater entmachtet wurde und die Familie innerhalb weniger Monate ihre bisherige Lebenswelt verlor.

1990 ging Roberto mit seinen Eltern nach Chile, dem Herkunftsland seines Vaters. Der Ortswechsel bedeutete für ihn weit mehr als Emigration: Er verlor vertraute Sprache, Freunde, gesellschaftliche Zugehörigkeit und zugleich die Möglichkeit, seine Familiengeschichte unbeobachtet zu verarbeiten. Erst nach mehr als zwei Jahrzehnten entschloss er sich zu einer Rückkehr nach Deutschland.

Inhalt der Edition

Der Film begleitet Roberto Yáñez in Chile und auf seiner ersten Deutschlandreise seit 1990. In Santiago, Valparaíso und an der Atacama-Küste erzählt er von Entwurzelung, familiären Konflikten, psychischen Krisen, Drogenabhängigkeit und der Suche nach einer eigenen künstlerischen Identität. Malerei, Musik und Poesie werden für ihn zu einem Weg, die Brüche seines Lebens zu verarbeiten.

Die Rückkehr führt ihn an Orte seiner Kindheit: die Leipziger Straße, Wandlitz, das Jagdhaus Wildfang und schließlich die Berliner Mauer-Gedenkstätte. Dabei begegnet er Menschen, die ihn als Kind kannten, und setzt sich mit Privilegien, Abschottung und politischer Verantwortung auseinander. Er spricht offen über die doppelte Wahrnehmung seines Großvaters als geliebtes Familienmitglied und als Staatsmann, dessen Politik Leid verursacht hat.

Zugleich zeigt der Film Robertos Leben mit Margot Honecker in Chile. Nähe, Fürsorge und Loyalität stehen neben politischen Auseinandersetzungen und unterschiedlichen Deutungen der DDR-Geschichte. Die Reise wird so zu einem Versuch, familiäre Bindung und historische Verantwortung voneinander zu unterscheiden, ohne eine der beiden Ebenen zu verdrängen.

Bedeutung als Zeitdokument

Die Edition eröffnet einen seltenen Blick auf die Nachwirkungen politischer Macht innerhalb einer Familie. Sie zeigt, wie Geschichte an die nächste Generation weitergegeben wird – nicht nur durch Erzählungen, sondern durch öffentliche Zuschreibungen, Loyalitätskonflikte, Scham, Abwehr und den Wunsch nach einer eigenen Identität.

Besonders eindringlich ist die Offenheit, mit der Roberto Yáñez über seine psychischen Krisen, seine Abhängigkeit und seine Verletzlichkeit spricht. Dadurch entsteht kein politisches Porträt der Honecker-Familie, sondern ein Film über Entwurzelung, Selbstbehauptung und die schwierige Aufgabe, sich einer belasteten Herkunft zu stellen.

Editionsangaben

Titel Honeckers Enkel Roberto – Eine Rückkehr nach Deutschland
Dokumentarfilm von Thomas Grimm
Produktionsjahr 2013
Laufzeit 90 Minuten

Hinweise zur Edition

Die Edition dokumentiert die historische Aufzeichnung in ihrer zeittypischen Form. Bild- und Tonqualität entsprechen dem erhaltenen Ausgangsmaterial.

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