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Trailer zur Edition
Was bleiben wird - Ein Gespräch über Herkunft und Zukunft
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Historische Einordnung
Gregor Gysi und Friedrich Schorlemmer gehören zu den markanten Stimmen der deutschen Zeitgeschichte nach 1989 – und sie stehen zugleich für sehr unterschiedliche Erfahrungen mit der DDR.
Gysi wuchs als Sohn des späteren DDR-Kulturministers Klaus Gysi in einem politisch geprägten Elternhaus auf und arbeitete als Rechtsanwalt in der DDR. Schorlemmer, Pfarrerssohn und evangelischer Theologe, gehörte zu den bekannten oppositionellen Stimmen des Landes und wurde insbesondere durch sein Engagement innerhalb der Kirche und der Friedensbewegung öffentlich wahrgenommen. Persönlich begegneten sich beide erstmals im Herbst 1989, mitten in der politischen Umbruchphase der DDR.
Das 2014 aufgezeichnete Gespräch blickt aus mehr als zwei Jahrzehnten Abstand auf diese gemeinsame und zugleich gegensätzliche Vergangenheit zurück. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die Frage, wie die DDR zu beurteilen ist, sondern welche Erfahrungen, Werte und politischen Ideen über ihr Ende hinaus Bestand haben können.
Inhalt der Edition
Im Gespräch mit Hans-Dieter Schütt erzählen Gregor Gysi und Friedrich Schorlemmer von ihren Familien, ihrer Kindheit und den unterschiedlichen Wegen, die sie innerhalb der DDR eingeschlagen haben.
Gysi spricht ausführlich über seinen Vater Klaus Gysi, über Privilegien und Widersprüche seines Elternhauses sowie über seine Arbeit als Rechtsanwalt. Er erinnert sich an politische Verfahren, an Begegnungen mit Oppositionellen und an die Grenzen des Rechts in einem Staat, in dem politische Machtfragen der juristischen Eigenständigkeit enge Grenzen setzten. Zugleich beschreibt er, warum bestimmte soziale Ideen der DDR für ihn auch nach ihrem Scheitern nicht bedeutungslos geworden sind.
Schorlemmer erzählt von seiner Herkunft aus einem Pfarrhaus, von religiöser und politischer Prägung, von Konflikten mit staatlichen Autoritäten und von seinem oppositionellen Engagement. Dabei schildert er auch persönliche Erfahrungen mit Ausgrenzung, Überwachung und der Schwierigkeit, innerhalb eines autoritären Systems eine eigenständige Haltung zu bewahren.
Aus diesen Biografien entwickelt sich ein weit gespanntes Gespräch über die DDR, die Friedliche Revolution und die deutsche Einheit. Beide diskutieren über soziale Gerechtigkeit, Bildungschancen, politische Freiheit und die Frage, welche Strukturen der DDR nach 1990 hätten genauer betrachtet werden können. Ebenso geht es um Kapitalismuskritik, ökologische Verantwortung, gesellschaftliche Solidarität und den Umgang mit politischer Vergangenheit.
Trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswege begegnen sich Gysi und Schorlemmer nicht als Vertreter starrer Lager. Sie widersprechen einander, korrigieren sich und suchen zugleich nach gemeinsamen Erfahrungen und Überzeugungen, die über die Geschichte der DDR hinausweisen.
Bedeutung als Zeitdokument
„Was bleiben wird“ ist mehr als eine rückblickende Debatte über die DDR. Das Gespräch macht sichtbar, wie unterschiedlich Menschen dasselbe politische System erleben konnten – abhängig von Herkunft, Familie, Beruf und persönlicher Haltung.
Gerade die Gegenüberstellung von Gysi und Schorlemmer eröffnet einen differenzierten Blick auf ostdeutsche Biografien. Der eine bewegte sich innerhalb staatlicher und juristischer Strukturen, der andere suchte seine politischen Handlungsmöglichkeiten im kirchlichen und oppositionellen Raum. Beide vermeiden dabei einfache Schwarz-Weiß-Deutungen und sprechen ebenso über Unrecht und persönliche Verantwortung wie über soziale Erfahrungen und politische Ideen, die aus ihrer Sicht nicht gemeinsam mit der DDR verschwinden sollten.
Damit dokumentiert die Aufzeichnung auch eine zentrale Frage der deutschen Nachwendegeschichte: Wie lässt sich eine gescheiterte politische Ordnung kritisch beurteilen, ohne die Lebensgeschichten und Erfahrungen der Menschen auf Täter, Opfer oder Mitläufer zu reduzieren?
Der Titel „Was bleiben wird“ wird so zur Leitfrage eines sehr persönlichen Gesprächs über Erinnerung, Verantwortung und die Möglichkeit, aus Geschichte politische und gesellschaftliche Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen.
Editionsangaben
Titel: Was bleiben wird
Untertitel: Ein Gespräch über Herkunft und Zukunft
Gesprächspartner: Gregor Gysi und Friedrich Schorlemmer
Moderation: Hans-Dieter Schütt
Produktionsjahr: 2014
Laufzeit: 224 Minuten
Format: DVD-R (On-Demand)
Edition: GrimmChronik – Filme & Reportagen
Hinweise zur Edition
Diese GrimmChronik-Edition bewahrt die historische Gesprächsaufzeichnung in ihrer überlieferten Form. Inhaltliche Positionen und politische Bewertungen der Gesprächsteilnehmer werden als Bestandteil des Zeitdokuments unverändert wiedergegeben.
Zur GrimmChronik-Edition
GrimmChronik bewahrt Gespräche, Dokumentarfilme und historische Aufzeichnungen als Quellen ihrer Zeit. Die Editionen machen unterschiedliche Erfahrungen, politische Perspektiven und persönliche Erinnerungen wieder zugänglich und tragen dazu bei, historische Debatten in ihrer Vielstimmigkeit zu erhalten.