Schauprozesse – Genossen vor Gericht

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Schauprozesse – Genossen vor Gericht

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Historische Einordnung

Politische Schauprozesse gehören zu den sichtbarsten Instrumenten diktatorischer Herrschaft. In ihnen dient das Gericht nicht der unabhängigen Prüfung von Schuld, sondern der öffentlichen Bestätigung eines bereits feststehenden politischen Urteils. Angeklagte werden zu Verrätern erklärt, Geständnisse erzwungen und Strafen im Voraus festgelegt.

Der Film verfolgt diese Methode von den Moskauer Prozessen der Jahre 1936 bis 1938 über die stalinistischen Säuberungen in Osteuropa bis in die DDR. Im Zentrum steht der Prozess gegen Wolfgang Harich, Walter Janka, Gustav Just und weitere Intellektuelle des Aufbau-Verlags im Jahr 1957.

Inhalt der Edition

Die Dokumentation zeigt, wie Josef Stalin den Schauprozess zur Demonstration uneingeschränkter Macht perfektionierte. Folter, Drohungen gegen Angehörige und erzwungene Geständnisse schufen eine öffentliche Inszenierung, in der selbst langjährige Kommunisten als Agenten und Verräter erscheinen mussten. Nach 1945 wurde dieses Muster in die Staaten des sowjetischen Einflussbereichs übertragen.

Für die DDR rekonstruiert der Film den Aufbau einer politisch abhängigen Justiz und die Rolle von Partei, Staatssicherheit und Generalstaatsanwalt Ernst Melsheimer. Anhand von Akten und erhaltenen Tonaufzeichnungen wird sichtbar, dass Ablauf, Publikum und Strafmaß im Prozess gegen Harich und Janka im Voraus abgestimmt waren.

Der Film zeigt zugleich die unterschiedlichen Reaktionen der Angeklagten. Wolfgang Harich passte sich aus Angst dem vorgegebenen Drehbuch an, gestand und bereute. Walter Janka widersprach und verweigerte die erwartete Selbstbezichtigung. Beide Strategien führten dennoch zu hohen Zuchthausstrafen. Selbst nach ihrer Rehabilitierung blieb das Verhältnis zwischen den ehemaligen Mitangeklagten dauerhaft zerstört.

Bedeutung als Zeitdokument

Die Edition macht nachvollziehbar, wie politische Herrschaft Rechtssprache, Gerichte und Öffentlichkeit für ihre Zwecke instrumentalisiert. Die erhaltenen Prozessaufnahmen und Akten zeigen nicht nur das Ergebnis, sondern den organisatorischen Aufbau einer inszenierten Justiz.

Zugleich dokumentiert der Film die langfristigen Folgen politischer Verfolgung. Erzwungene Geständnisse, gegenseitige Beschuldigungen und jahrelange Haft wirkten über das Ende der DDR hinaus. Die Beschäftigung mit diesen Verfahren bleibt deshalb zentral für das Verständnis von Rechtsstaatlichkeit und für die Frage, was geschieht, wenn politische Vorgaben an die Stelle unabhängiger Rechtsprechung treten.

Editionsangaben

Titel Schauprozesse – Genossen vor Gericht
Produktion Zeitzeugen TV
Produktionsjahr 2014
Laufzeit 45 Minuten

Hinweise zur Edition

Die Edition dokumentiert die historische Aufzeichnung in ihrer zeittypischen Form. Bild- und Tonqualität entsprechen dem erhaltenen Ausgangsmaterial.

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