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Margarete Mitscherlich – Über das Ende der Friedfertigkeit
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Historische Einordnung
Margarete Mitscherlich gehörte zu den prägendsten psychoanalytischen Stimmen der Bundesrepublik. In ihren Arbeiten verband sie die Analyse individueller Konflikte mit Fragen gesellschaftlicher Erinnerung, Geschlechterordnung und politischer Verantwortung. Ihre Berliner Lektion entstand in einer Phase, in der Deutschland erstmals seit 1945 wieder an militärischen Einsätzen beteiligt war und zugleich intensiv über die Folgen der Wiedervereinigung, über Rechtsextremismus und über die gesellschaftliche Stellung von Frauen diskutierte.
Inhalt der Edition
Ausgehend vom doppeldeutigen Titel fragt Mitscherlich, wer friedfertiger werden müsse und wer aufhören solle, sich aus Anpassung oder Abhängigkeit friedfertig zu verhalten. Sie untersucht tradierte Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit: Härte, Durchsetzungswillen und Gefühlsabwehr auf der einen, Einfühlung, Hingabe und Selbstzurücknahme auf der anderen Seite. Diese Zuschreibungen versteht sie nicht als natürliche Eigenschaften, sondern als historisch gewachsene Rollenbilder.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit Krieg, Gewalt und deutscher Vergangenheit. Mitscherlich kritisiert vereinfachende historische Vergleiche, mit denen gegenwärtige Militäreinsätze moralisch legitimiert werden. Zugleich fordert sie Frauen dazu auf, ihre gesellschaftliche und politische Macht nicht länger aus Angst vor Liebesverlust oder Anpassungsdruck preiszugeben. Echte Veränderung könne nur entstehen, wenn Macht geteilt und mit Einfühlung, Verantwortungsbewusstsein und Wahrheitsliebe verbunden werde.
Bedeutung als Zeitdokument
Die Lektion verbindet Psychoanalyse, Zeitgeschichte und feministische Gesellschaftskritik. Mitscherlich zeigt, wie politische Entscheidungen von unbewussten Ängsten, Kränkungen, Projektionen und tradierten Geschlechterbildern beeinflusst werden können. Ihre Analyse richtet sich nicht nur auf männliche Herrschaft, sondern ebenso auf die Bereitschaft von Frauen, bestehende Machtverhältnisse mitzutragen oder zu übernehmen.
Die Aktualität der Aufzeichnung ist unübersehbar. Debatten über militärische Verantwortung, Feindbilder, autoritäre Männlichkeitsentwürfe, politische Gewalt, Rechtsextremismus und die ungleiche Verteilung von Macht zwischen den Geschlechtern sind weiterhin präsent. Mitscherlichs Forderung, Einfühlung nicht mit Schwäche und Durchsetzungsfähigkeit nicht mit Härte zu verwechseln, besitzt bis heute gesellschaftliche Sprengkraft.
Editionsangaben
| Reihe | Berliner Lektionen |
|---|---|
| Titel | Margarete Mitscherlich – Über das Ende der Friedfertigkeit |
| Format | DVD-Edition |
Hinweise zur Edition
Die Edition dokumentiert die historische Aufzeichnung in ihrer zeittypischen Form. Bild- und Tonqualität entsprechen dem erhaltenen Ausgangsmaterial.
Zur GrimmChronik-Edition
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