Judith Malina – The Living Theatre

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Judith Malina – The Living Theatre

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Historische Einordnung

Judith Malina war Mitbegründerin des Living Theatre und eine der konsequentesten Vertreterinnen eines politisch engagierten Theaters. 1926 als Tochter eines Rabbiners und einer Schauspielerin in Kiel geboren, emigrierte sie als Kleinkind mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten. Ihre Ausbildung bei Erwin Piscator verband Theater von Beginn an mit gesellschaftlicher Verantwortung. Gemeinsam mit Julian Beck gründete sie 1947 in New York das Living Theatre, das die Grenzen zwischen Bühne, Publikum und öffentlichem Raum radikal infrage stellte.

Berlin war für Malina zugleich Herkunftsraum, Ort der Verfolgung und ein bedeutendes Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit. Seit den frühen 1960er-Jahren gastierte das Living Theatre wiederholt in der geteilten Stadt. Die Begegnungen mit Piscator, Helene Weigel, dem Berliner Ensemble und der politischen Aufbruchsstimmung um 1968 prägten die Geschichte der Gruppe.

Inhalt der Edition

In ihrer Lektion erzählt Malina von der deutsch-jüdischen Geschichte ihrer Familie, von frühen Erfahrungen des Antisemitismus und von ihrem Entschluss, dem ererbten Hass nicht mit neuem Hass zu begegnen. Sie beschreibt ihren Weg zum Pazifismus und erklärt, weshalb Theater für sie niemals bloße Darstellung, sondern eine Form politischer und menschlicher Beziehung war.

Ausführlich erinnert sie an die Anfänge des Living Theatre, an materielle Not, gemeinschaftliches Arbeiten und die Suche nach Räumen für ein unabhängiges Theater. Sie spricht über Berliner Gastspiele, die Solidarität anderer Künstler, die Aufführungen von Antigone und Paradise Now sowie den programmatischen Schritt von der Bühne auf die Straße. Dabei wird sichtbar, wie eng künstlerische Existenz, gesellschaftliche Utopie und persönliche Lebensführung bei Malina verbunden waren.

Bedeutung als Zeitdokument

Die Aufzeichnung zeigt eine Künstlerin, die ihre Biografie und ihr Theater als untrennbare Einheit verstand. Malinas Offenheit über Verfolgung, Pazifismus, Armut, Scheitern und unverminderten utopischen Anspruch bewahrt die Erfahrung einer Theaterbewegung, die Kunst als unmittelbaren Eingriff in das gesellschaftliche Leben begriff.

Die Aktualität dieser Lektion liegt in ihrer beharrlichen Frage nach der öffentlichen Aufgabe der Kunst. In einer Zeit, in der freie Kulturorte unter wirtschaftlichem Druck stehen und politische Konflikte erneut auf Bühnen, Straßen und in Institutionen ausgetragen werden, erinnert Malina daran, dass Theater ein Raum des Widerspruchs, der Begegnung und der gewaltfreien Veränderung sein kann.

Editionsangaben

Reihe Berliner Lektionen
Edition 09
Titel Judith Malina – The Living Theatre
Aufzeichnung 1991
Laufzeit 44 Minuten
Produktion Zeitzeugen TV
Format DVD-R (On-Demand)

Hinweise zur Edition

Diese Edition enthält eine historische Aufzeichnung in ihrer überlieferten Form. Bild- und Tonqualität entsprechen dem Ausgangsmaterial. Inhaltliche und sprachliche Eigenheiten der Entstehungszeit wurden bewahrt.

Zur GrimmChronik-Edition

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