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Gedächtnislücken - Egon Bahr und Peter Ensikat erzählen sich ihr Leben - Teil 1-4
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Historische Einordnung
Mit „Gedächtnislücken“ treffen zwei sehr unterschiedliche deutsche Biografien aufeinander. Egon Bahr, Jahrgang 1922, erlebte Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegszeit im Westen Berlins, arbeitete als Journalist beim RIAS und wurde später zu einem der prägenden Architekten der neuen Ostpolitik unter Willy Brandt. Peter Ensikat, Jahrgang 1941, wuchs in der späteren DDR auf und fand als Schauspieler, Autor und Kabarettist einen eigenen, oft humorvollen und zugleich kritischen Umgang mit den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen seines Landes.
Die vier Gespräche verbinden persönliche Erinnerung mit zentralen Stationen der deutschen Geschichte vom Ende der Weimarer Republik und dem Zweiten Weltkrieg über die Teilung Deutschlands, den Kalten Krieg und die Ostpolitik bis zur Friedlichen Revolution, dem Mauerfall und den Erfahrungen der deutschen Einheit. Gerade weil Bahr und Ensikat viele Ereignisse aus entgegengesetzten Lebenswelten erlebt haben, entsteht ein vielschichtiges Panorama deutsch-deutscher Zeitgeschichte.
Inhalt der Edition
Ausgangspunkt sind Kindheit und Kriegserfahrungen: Bahr erinnert sich an die Machtübernahme der Nationalsozialisten, seine Zeit in der Wehrmacht und das Kriegsende in Berlin; Ensikat an den Tod seines Vaters, den Einmarsch der Roten Armee und die Nachkriegsjahre in Finsterwalde. Von dort führt das Gespräch über Luftbrücke, Währungsreform und den 17. Juni 1953 zur sich vertiefenden deutschen Teilung und zum Mauerbau.
Bahr berichtet aus unmittelbarer Nähe zu politischen Entscheidungsprozessen: vom RIAS, von „Wandel durch Annäherung“, den Verhandlungen über die neue Ostpolitik, vertraulichen Gesprächskanälen nach Moskau, Willy Brandt, Herbert Wehner, dem Grundlagenvertrag und der Guillaume-Affäre. Ensikat setzt dem die Sicht des DDR-Bürgers und Künstlers entgegen – mit Erinnerungen an Zensur, DEFA, Kabarett, Biermann, Honecker, den Alltag im Sozialismus und den oft absurden Umgang des Staates mit Kunst und Kritik.
Im letzten Teil rücken 1989 und die Folgen der Einheit in den Mittelpunkt. Beide sprechen über die Demonstrationen des Herbstes, Gorbatschow, den 4. November, die Öffnung der Mauer, die Volkskammerwahl 1990 und die unterschiedlichen Erwartungen in Ost und West. Dabei geht es auch um den schwierigen Prozess der inneren Einheit, den Umgang mit DDR-Biografien und Stasi-Akten sowie um die Frage, wie historische Erfahrung bewahrt werden kann, ohne die Zukunft zu blockieren.
Bedeutung als Zeitdokument
Die besondere Stärke dieser Edition liegt im direkten Austausch zweier Zeitzeugen, die dieselben historischen Ereignisse aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Positionen erlebt haben. Bahr spricht als Journalist, Politiker und Verhandler, Ensikat als Künstler und Bürger der DDR. Aus Zustimmung, Widerspruch, Humor und gegenseitiger Neugier entsteht kein nachträglich geglättetes Geschichtsbild, sondern ein lebendiges Gespräch über Erfahrungen, Irrtümer, Hoffnungen und Entscheidungen.
Damit ist „Gedächtnislücken“ weit mehr als eine Doppelbiografie. Die vierteilige Gesprächsreihe dokumentiert über sechs Jahrzehnte deutscher Geschichte aus persönlicher Perspektive und macht sichtbar, wie unterschiedlich Erinnerung an ein und dasselbe Land und dieselben Ereignisse sein kann. Gerade diese Reibung zwischen Ost und West macht die Aufzeichnung zu einem außergewöhnlichen zeitgeschichtlichen Dokument.
Editionsangaben
Titel: Gedächtnislücken
Untertitel: Egon Bahr und Peter Ensikat erzählen sich ihr Leben (Teil 1–4)
Mitwirkende: Egon Bahr und Peter Ensikat
Produktionsjahr: 2006
Laufzeit: 180 Minuten
Format: 2 × DVD-R (On-Demand)
Hinweise zur Edition
Die Edition dokumentiert die historische Aufzeichnung in ihrer zeittypischen Form. Bild- und Tonqualität entsprechen dem erhaltenen Ausgangsmaterial.
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