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Frau Walter Jens - Wenn die Erinnerung stirbt
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Historische Einordnung
Inge und Walter Jens gehörten über Jahrzehnte zu den prägenden Stimmen des geistigen Lebens in der Bundesrepublik. Ihre Ehe war nicht nur eine private Verbindung, sondern auch eine enge Arbeits- und Gesprächspartnerschaft. Gemeinsam schrieben, diskutierten und veröffentlichten sie; ihr Haus in Tübingen wurde zu einem Ort des Austauschs mit Schriftstellern, Wissenschaftlern und politischen Intellektuellen.
Mit der fortschreitenden Demenzerkrankung Walter Jens verändert sich dieses gemeinsame Leben grundlegend. Sprache, Erinnerung und die geistige Partnerschaft, die ihre Beziehung über mehr als fünfzig Jahre geprägt hatten, gehen zunehmend verloren. Inge Jens spricht darüber ohne Beschönigung und zugleich mit großer Verbundenheit: über Fürsorge, Trauer, Akzeptanz und die Notwendigkeit, unter veränderten Bedingungen ein eigenes Leben weiterzuführen.
Inhalt der Edition
Im Zentrum des Films steht Inge Jens, die beim Betrachten alter Fotografien und an den Schauplätzen ihrer gemeinsamen Geschichte erzählt. Sie erinnert sich an die erste Begegnung in Tübingen, an bescheidene Studentenzimmer, die Heirat und die frühen Jahre an der Universität. Mit Humor schildert sie, wie aus wissenschaftlicher Nähe eine lebenslange Verbindung entstand und wie selbstverständlich das gemeinsame Denken und Arbeiten zum Fundament der Ehe wurde.
Die Erinnerungen führen durch die literarische und akademische Welt der Nachkriegszeit. Inge Jens berichtet von der Zusammenarbeit an Büchern, von Ernst Rowohlt, Hans Mayer und Ernst Bloch, von gemeinsamen Lesungen und von Walter Jens als Rhetoriker, Gelehrtem und öffentlichem Intellektuellen. Dabei wird zugleich ihre eigene Rolle sichtbar: nicht nur als Ehefrau eines bekannten Mannes, sondern als Germanistin, Autorin, Lektorin und eigenständige Chronistin eines gemeinsamen Lebens.
Gegenwart und Vergangenheit stehen im Film in einem schmerzhaften Verhältnis. Während Walter Jens immer weniger auf gemeinsame Erinnerungen zurückgreifen kann, beginnt Inge Jens, ihre eigene Geschichte aufzuschreiben und wieder allein zu Lesungen zu reisen. Die Fotografien werden zu Ankern einer verlorengehenden gemeinsamen Welt - und das Erzählen zu einer Form, diese Welt zu bewahren.
Bedeutung als Zeitdokument
Die Edition ist ein persönliches Dokument über Demenz, Partnerschaft und Erinnerung. Sie zeigt, was es bedeutet, wenn ein Mensch körperlich anwesend bleibt, aber Sprache, Persönlichkeit und gemeinsame geistige Erfahrung schrittweise verschwinden. Inge Jens beschreibt diesen Prozess mit großer Klarheit, ohne die Trauer zu verbergen und ohne das lange gemeinsame Glück aus dem Blick zu verlieren.
Zugleich bewahrt der Film ein Stück deutscher Kultur- und Geistesgeschichte. Die private Erinnerung öffnet den Blick auf das intellektuelle Milieu der Nachkriegszeit und auf eine Frau, deren eigene Arbeit lange im Schatten des berühmten Ehemanns wahrgenommen wurde. Stimme, Gestik, Fotografien und vertraute Orte machen erfahrbar, wie Erinnerung Identität stiftet - und was auf dem Spiel steht, wenn sie erlischt.
Editionsangaben
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Titel |
Frau Walter Jens - Wenn die Erinnerung stirbt |
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Mitwirkende |
Inge und Walter Jens |
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Film von |
Thomas Grimm |
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Produktionsjahr |
2009 |
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Laufzeit |
87 Minuten |
Hinweise zur Edition
Die Edition dokumentiert die historische Aufzeichnung in ihrer zeittypischen Form. Bild- und Tonqualität entsprechen dem erhaltenen Ausgangsmaterial.
Zur GrimmChronik-Edition
GrimmChronik bewahrt Erinnerungen als Quellen der Zeitgeschichte. Jede Edition trägt dazu bei, persönliche Erfahrungen und historische Stimmen für kommende Generationen zugänglich zu halten.